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Transzendierte Integration

Ulrike Hinrichs 2017

Transklusion von Geflüchteten durch künstlerisch-kulturelle Projekte

Im Zusammenhang mit der Zuwanderung von Schutzsuchenden ist hierzulande oft von der »Integration« von Geflüchteten die Rede. Bestenfalls wird eine »Inklusion« der Zugewanderten gefordert. Wir wünschen uns ein Umdenken hin zu einer »transzendierten Integration bzw. Inklusion« (Transklusion).

Was meinen wir damit?

Inklusion bedeutet Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft (siehe Abbildung). Inklusion steht komplementär zu Exklusion, das eine ist ohne das andere nicht denkbar. In einer inklusiven Gesellschaft sind Unterschiede zwar normal und willkommen. Alle profitieren davon. »Einbeziehen« beinhaltet aber auch das »Ausgrenzen«, was wir nicht wollen.

Denn eine Gesellschaft ist kein geschlossenes System, sondern ein – mal enger mal weiter – gewebtes Netz, permanent pulsierend und sich entwickelnd. Menschen kommen mit ihrer Unterschiedlichkeit und Einzigartigkeit zusammen, begegnen sich und gehen Beziehungen ein. Bei der von uns vorgeschlagenen »Transklusion« (zugegeben auch ein etwas sperriger Begriff) liegt der Fokus nicht auf der Ein– sondern der Wechselbeziehung. Denn wir alle gestalten die Gesellschaft jeden Tag aktiv oder passiv mit. Diese Art der bereichernden Begegnung haben wir in unserem künstlerisch-kulturellen Projekt »Weltküche« gelebt. Das künstlerische Schaffen vor allem ermöglicht Begegnungen, die mühelos Sprachbarrieren aufheben und auf Gemeinsamkeiten setzen, statt Unterschiede hervorzuheben. Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. So ist diesem Buch mit Kochrezepten nur bei genauerer Betrachtung zu entnehmen, wer von den Rezeptgebern und Illustratoren zugewandert ist und wer nicht. Die Verbindung der Kulturen ergab sich mühelos im Austausch der Rezepte und bei der künstlerischen Gestaltung der Illustrationen. Flucht ist ein vorübergehender Status, der uns alle betreffen kann. Wir wachsen an der Begegnung mit Menschen. Das durften wir alle im Projekt Weltküche erleben.

Unser neues Projekt Wir sind Harburg knüpft an diese Sichtweise des Zusammenlebens an. Menschen begegnen sich und zeigen Ihr Harburg. Denn Wir alle sind Harburg.